Endlich hatte ich die erst Gelegenheit meine Mamiya zu testen. Mit einem Ilford FP4 im Magazin ging es in den Luisenpark. Während sich Frau und Kind der Entdeckung der Wissenschaft auf der jährlich im Park stattfindenden Explore Science – einer wirklich lohnenswerten Mitmachausstellung für junge Wissenschaftlicher – verschrieben hatten, habe ich mir ein ruhiges Plätzchen ausgesucht, mein Apparat aus dem Rucksack gewuchtet und mit den Vorbereitungen für eine erste Aufnahme begonnen.

Alles nicht so einfach

Nach fast 30-jähriger (man bin ich alt geworden) Abstinenz beim analogen Fotografieren war es wirklich ein spannender Moment den Auslöser – in meinem Fall ein Doppel-Kabelauslöser – zu rücken. Und ja, genau so hatte ich es mir vorgestellt: entschleunigtes Fotografieren. Doch von vorne. Nachdem ich die Mamiya auf mein Stativ (ohne geht es wirklich nicht) gewuchtet hatte, habe ich erst einmal Paus gemacht. Das Bild – vor allem das erste – will überlegt sein. OK, Wasser mit Spiegelung, passt; unspektakulär aber doch nicht banal. Jetzt im Kopf die wichtigsten Schritte durchgehen. Bildausschnitt suchen, Vordergrund ist ein Geländerbaklen, nicht besonders originell aber in der Unschärfe durch das 140mm Objektiv ganz brauchbar. So noch ein bisschen nach links, nein nach rechts, denn im Lichtschacht ist ja rechts gleich links und scharf stellen > Notiz an mich: Unbedingt wieder zu Augenarzt. 

OK. Belichtungsmesser ausgepackt und los. Blende 16 – warum nicht. Dunkelste Stelle gemessen, dann die hellste Stelle. Jetzt noch den Mittelwert ausrechnen. Im Kopf? Nein, so weit bin ich noch nicht. Aber das der Belichtungsmesser war son nett, das kurz zu übernehmen (Über den könnte ich auch mal was in der Spielzeugecke schreiben). Also 1/40, einstellen, Kabelauslöser in Objektiv und …

Verdammt, Schieber vergessen. Und dabei wollte ich den doch beim ersten Mal ganz standesgemäß entfernen und am Magazin verstauen, wie es sich gehört. Also raus damit. So, Kamera vorauslösen, Kabelauslöser nehmen und „KLICK“. Das wars. Mein erstes analoges bald seit Jahren besser Jahrzehnten. Wie es aussieht wir sich zeigen. Ich bin gespannt. Jetzt heißt es warten. Film voll bekommen, zum Entwickeln geben und warten. Ja, Zeit hat wieder eine Bedeutung.

Ganz ohne geht es nicht

Da ich mich kenne und weiß, dass Geduld eine Tugend und nicht unbedingt eine Stärke ist, habe ich mir in der elektronischen Bucht ein Polaroid Magazin für die Mami (darf ich sie eigentlich so nennen? Mutti wird nichts dagegen haben, oder?) besorgt habe, bin ich vorbereitet. Na ja, zumindest habe ich bei der Lieferung gesehen, dass mir der Vorbesitzer 8 Bilder im Magazin gelassen hatte. Was will man mehr. Also, Magazin darn, Schieber raus, vorauslösen und „KLICK“. Da war es wieder. So jetzt weiße Lasche ziehen, dann schwarze Lasche ziehen und warten. Aber wie lange? Steht ja drauf. 180 Sekunden bei 15 Grad. Ne wärmer ist es nicht.

Endlich. Fertig. Entwicklerschicht abziehen und SCHWARZ. Was soll das denn jetzt? Mein Fehler? Kamerafehler? Oh Gott, meine erste Aufnahme! Filmfehler? Das muss es sein. Wer weiß wie alt der Film war. Also gleich noch eins. Peng! Klick, ratsch ratsch. Warten und ahhhhhhhhh, jetzt ja. da war es.

Ja. Das ist doch mal was. Ich bin gespannt, wie es in schwarz/weiß aussieht. Das nun war der erste Streich und der zweite folgt zugleich. Also kurzer Schwenk, Rollfilm-Magazin wieder drauf und gleich noch ein Bild von dem Weg der im Grünen verschwindet. Jetzt noch das Wasser an der Brücke und zum Schluss noch die Gondeln mit dem Fernsehturm. Ach ja, und da war da noch das Bild im Regen. Das gibt es nur als Polaroid. Was auch immer mit dem Himmel passiert ist. Ist das nun orthochromatisch? Ich merke, ich muss noch viel lernen.

2016-12-26T18:26:42+00:00 19. Juni 2016|Projekte|0 Kommentare

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